Berufsbildende Schulen
„J.P.C. Heinrich Mette“
des Landkreises Quedlinburg

Der vollständige Name lautet Johann Peter Christian Heinrich Mette. Unter dem Namen Heinr. Mette Quedlinburg wurde später das Saatzuchtunternehmen geführt.

J.P.C. Heinrich Mette steht exemplarisch für alle Saatzüchter in Quedlinburg. Andere Unternehmen haben es auch zu internationaler Bedeutung gebracht (z. B. Dippe). Das Mettsche Unternehmen war jedoch älter. Die Saatzuchtunternehmen waren sozial eingestellt, wobei es je nach Größe des Unternehmens Unterschiede gab, aber die die Menschen in Quedlinburg und Umgebung und die Stadt haben von ihnen profitieren könnten. Die Arbeiter wohnten in unternehmenseigenen Arbeiterwohnhäusern, die großen Unternehmen unterhielten eigene Pensionskassen für ihre Angestellten und Arbeiter. Während des ersten Weltkrieges unterstützten die Unternehmen das Versenden von so genannten Liebesbotschaften und nach dem Krieg wurde für die Familien billiges Essen und Kleidung organisiert. Dieses stärkte das gute Verhältnis zwischen Geschäftsleitung und Arbeitern und Angestellten.
Die Unternehmen waren auch die ersten, die technische Neuerungen einsetzten und benutzten. Ein Beispiel ist der Anschluss der Gerstdorfer Burg 1884 an das Telefonnetz, die Stadt wurde sechs Jahre später angeschlossen.
Die Saatzuchtunternehmen verbinden also mustergültig wirtschaftlichen Erfolg, soziales Engagement (auch in schwierigen Zeiten) und den Einsatz innovativer Techniken.
Allgemein kann gesagt werden dass die Saatzuchtunternehmen für ihre Verdienste für Quedlinburg relativ wenig gewürdigt werden.
Mette ist in Quedlinburg lebendige Vergangenheit.

Zur Person Heinrich Mette wurde am 14.6.1735 in Ditfurt als Sohn des Jägermeisters Peter Mette geboren. Von 1750 bis 1753 machte er bei Johann Heinrich Ziemann, dem Hof- und Lustgärtner der Äptisin des Quedlinburger Stiftes Marie-Elisabeth, eine Ausbildung zum Gärtner. Nach einer längeren Wanderschaft in Deutschland begründete er 1784, mit der Anmietung des Dechaneigartens vom Stift Quedlinburg, das Saatzuchtunternehmen Heinr. Mette Quedlinburg. Die Pacht für den Dechaneigarten muss sehr hoch gewesen sein, denn die Festschrift zum 150-jährigen Bestehen des Unternehmens, spricht von einem sehr hohen unternehmerischen Risiko, durch die Pacht. Zunächst wurde nur Obst- und Gemüseanbau betrieben, in den Folgegenerationen gewinnt dann die Saatgutgewinnung immer mehr Bedeutung. 1794 wurde der Sohn, Burghart Hartwig Mette (1768-1831) in das Unternehmen aufgenommen und 1802 schied Heinrich Mette vollständig aus dem Unternehmen aus, bevor er 1806 starb.
Zum Unternehmen Das Unternehmen wuchs unter den Nachfahren von Heinrich Mette stetig. Es wurden immer neue Ackerflächen gekauft (z.B. Dechaneigarten, Stumpfsburger Garten, Gerstdorfer Burg). Aber in diesem Unternehmen wurde nicht nur angebaut, sondern auch geforscht. Das Prinzip des Dualismus (Einheit von Forschung und kommerzieller Produktion) wird heute nur noch von P.J. Schmidt Saatgut Quedlinburg fortgeführt. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, wurde das Unternehmen verstaatlicht und die Familie ersatzlos enteignet. Die Familie ging dann in die Bundesrepublik und gründete dort ein neues Unternehmen, welches ohne großes Eigenkapital sehr schwer war. Dieses Unternehmen wurde später aufgekauft. Der Name Mette-Saatzucht existiert nicht mehr. Nach der politischen Wende, kehrten Nachkommen der Familie nach Quedlinburg zurück und kauften die Gersdorfer Burg zurück.
Bedeutung Quedlinburgs
für die Saatzucht

Quedlinburg war bis zum zweiten Weltkrieg das deutsche Zentrum der Saatzucht. Aber auch international hatte Quedlinburg große Bedeutung. In der Nachkriegszeit war Quedlinburg die Zentrale aller am Saatgut und Kulturpflanzen züchterisch tätigen VEBs der DDR. Mit dem Sitz der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen (BAZ), als Ressortforschung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (BML), hat Quedlinburg zumindest in der Forschung heute noch eine große Bedeutung. Verschiedene Saatzuchtunternehmen sind heute noch in Quedlinburg aktiv und die produzierte Qualität wird national und international geschätzt.

Quellen

150 Jahre Saatzucht - Geschichte der Firma Heinr. Mette Quedlinburg 1784-1934; 1934

Quedlinburg – Metropolis der Saatzucht im Wandel der Zeit, Dr. Helmut Gäde; 2001

Auf dem Felde der Ähre – Landwirtschaftliches Kulturerbe in Deutschland, Dr. Helmut Gäde; docupoint Verlag Magdeburg; 2004

Kontakt: Konstantin Kopp (FGW04/1)