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Nur noch Geschichte zum Glück! |
| Bilder ansehen | Kaum mehr spürbar ist der Schrecken der Grenze zwischen den ehemals zwei deutschen Staaten. Vorbei sind Mauer, Todesstreifen und Schießbefehl. Nur noch verlassene Baracken zeugen von den dramatischen Ereignissen, die sich hier zur Zeit des kalten Krieges abgespielt haben. Der Grenzübergang Helmstedt Marienborn war die größte Verbindungsstelle zwischen Ost und West zu Zeiten, wo sich die Westmächte und der Ostblock scheinbar in Ewigkeit verfeindet und schwer bewaffnet gegenüber standen. Hier wurden die Last- und Personenkraftwagen durch DDR-Grenzsoldaten und Zöllner auf Schmuggelgut untersucht; beispielsweise durften Presseerzeugnisse, Bücher oder Bauteile für Antennen nicht in die DDR eingeführt werden.
Vor allem aber suchte man nach Menschen, die in Fahrzeugen versteckt die DDR illegal Richtung Westen verlassen wollten. Denn selbst die Isetta wurde erfolgreich als Fluchtauto benutzt. Dennoch wie Fotos in der Ausstellung beweisen, scheiterten zahlreiche Fluchtversuche hier, in einer der noch erhaltenen Garagen. Die Menschen mussten sich nach der Entdeckung wieder in ihr Versteck begeben und wurden beim Herausklettern bis zu dreißigmal fotografiert. So wurde die missglückte „Republikflucht“ dokumentiert. Der Grenzsoldat ließ sich als Held feiern. Die Flüchtlinge mussten für ihr Vergehen, die DDR verlassen zu wollen, in der Regel für drei Jahre ins Gefängnis. Nach der Entlassung wurden ihnen sämtliche Chancen auf einen gesellschaftlichen Aufstieg verwehrt. Und heute? Riesige leere Flächen, Baracken, ein Bürogebäude, ein Wachturm, Beleuchtungspfeiler, die Brücke mit Blick auf die Fahrspuren. Angst und Verzweiflung der Vergangenheit, festgefroren in Beton. Allenfalls ältere Besucher, die das Gelände auf einer Reise auf die andere Seite des Zauns noch kannten, vermögen die eiskalte Furcht noch zu spüren, die hier einst das Klima beherrschte. Heute als Gedenkstätte versucht Marienborn an das totalitäre Regime auf deutschem Boden zu erinnern, versucht Vergessen zu verhindern. Damit eben nicht die emotionale Aussage „So schlecht war die DDR doch gar nicht“ das Gedächtnis der Nachwelt prägt. An diesem historischen Ort kamen am 13. August, dem 28. Jahrestag des Mauerbaus, Schüler und Schülerinnen aus Ost und West, aus Sachsen-Anhalt und Niedersachsen zusammen, um ihr Bild von der deutsch-deutschen Vergangenheit und Gegenwart zu vervollständigen. In 12 Workshops wurden Aspekte des Baus und Falls der Mauer erarbeitet, die teilweise noch heute das deutsch-deutsche Verhältnis belasten. Bei einem Rundgang über das Gelände konnte sich jeder selbst einen Eindruck von der Unmenschlichkeit der Grenze verschaffen. Am Abend luden die Kultusministerien der beiden Bundesländer in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung ein zum „Rock am Denkmal“. Curse rappte unter vergilbtem Kunststoffdach für Liebe und Toleranz. Ein rundum gelungener Tag. |