Geschichte erleben!

Zeitzeugengespräch mit
Herrn Herbert Hecht aus Gernrode
am 10. November 2008

Montagmittag, kurz vor 13.00Uhr. Die letzten Vorbereitungen sind getroffen. Die Stühle wurden zu einem Stuhlkreis zusammengerückt und die Kaffeetafel ist auch gerade fertig gedeckt, da strömen schon die ersten Schüler in die Aula. Auch die Schulleiterin Frau Koch will sich die nun gleich beginnende Veranstaltung nicht entgehen lassen! Doch was erwartet uns? Das einzige was wir wissen ist, dass ein Mann von der NS-Zeit und seinem Leben erzählen möchte. Die Mitglieder der ag-aktiv und gleichzeitig Organisatoren der Veranstaltung möchten diese auch dazu nutzen, die „Neuen“ mit unserem Anspruch als Schule mit dem Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ bekannt zu machen. Doch soll ein Lebensbericht wirklich reichen, um den ca. 40 geladenen Schülerinnen und Schülern der neuen Klassen an unserer Schule einen interessanten Nachmittag zu bieten?

Schon nach den ersten 5 Minuten konnte man diese Frage eindeutig mit JA beantworten!

Der Mann um den es sich handelt, ist Herr Herbert Hecht, ein Zeitzeuge der NS-Zeit, des Krieges sowie der DDR und heute sportbegeisterter Rentner und bekannter Buchautor.

Er wuchs in der Zeit des Nationalsozialismus auf und wurde schon in jungen Jahren mit den Schattenseiten dieser Ideologie konfrontiert. Als Jugendlicher kämpfte er im Krieg und als junger Mann überlebte er mehrere russische Gefangenenlager. Erschreckend waren seine Berichte über die damaligen Zustände! Menschen wurden wie Tiere behandelt und oft war das einzige, was ihnen geblieben war, die Hoffnung auf bessere Zeiten und der sehnliche Wunsch wieder nach Hause zu können. Mit einem unglaublichen Überlebenswillen und seiner herzlichen offenen Art beeindruckt er auch heute noch die Menschen!

So vergingen 1 ½ Stunden in gefühlten Sekunden und ich bin mir sicher, wäre nicht ein so langsam aufkommendes Hungergefühl aufgetaucht, hätten wir ihm noch bis in die späten Abendstunden zuhören können!

So wurde auch anschließend  bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen in entspannter Atmosphäre weiter diskutiert und man fing an, auch mal über das eigene Leben und die heutige Zeit nachzudenken. Viele Dinge werden heute als selbstverständlich angesehen. Freiheit, Demokratie, Frieden! Dabei sollten wir uns bewusst werden, dass dies nicht immer so war und es in unseren Händen liegt, dass es so bleibt! Wir können die Fehler der Vergangenheit nicht rückgängig machen, aber wir können dafür sorgen, dass sie in der Zukunft nicht noch einmal begangen werden.

Nicole Berger (für die ag-aktiv)